Cabernet Sauvignon



(1,3% der gesamten Rebfläche)
Eintrag ins Staatliche Sortenbuch 1980


Die ursprüngliche Sorte, aus der Cabernet eentstanden ist, war Cabernet Franc - ein enger Verwandter der Waldrebe. Durch natürliche Befruchtung mit dem Pollen der Sorte Sauvignon entstand die derzeitige blaue Kultsorte Cabernet Sauvignon. Cabernet Franc wurde zu Unrecht in den Hintergrund verdrängt. Die Weine der Sorte Cabernet Sauvignon enthalten zwar mehr Tannin, sind dunkler und körperreicher, die Weine des ursprünglichen Cabernet Franc jedoch haben eine feinere Textur, bisweilen auch einen anziehenderen Duft. Im Verschnitt mit Cabernet Sauvignon können sie dessen wilde Natur mindern. Im Bordelais reifen die Trauben der Sorte Cabernet Franc früher und erreichen einen besseren Zuckergehalt. Deshalb wird sie und die Sorte Merlot im Gebiet St. Émilion angebaut, wo Cabernet Sauvignon nicht mehr ganz so gut reift.

Qualitätswein der Sorte Cabernet Sauvignon hat in der Jugend einen granatfarbenen Glanz, wird im Laufe des Reifeprozesses dunkler, hat eine deutliche Fülle, duftet nach Himbeeren, manchmal auch nach Veilchen und hat einen klaren Einschlag schwarzer Johannisbeeren und Fruchtigkeit. Die Weine des Cabernet Franc aus wärmeren Überseegebieten verbinden einen Hauch von Himbeere mit einem an Marmelade erinnernden breiten Geschmack.

Cabernet Sauvignon befindet sich mit ca. 140 000 ha der weltweiten Auspflanzungen auf Platz 7 unter den meistverbreiteten Sorten. Man sagt ihm nach, dass er regionale Traditionen arrogant auf den Kopf stelle, dass er die anderen blauen Sorten ohne Erbarmen in den Hintergrund dränge, dass er Scharen von Weinliebhabern, die bereit sind jedwede Summe für eine auch noch so kleine Ernte der unglaublich dichten Weine dieser Sorte zu bezahlen, im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf verdreht habe. Traditionalisten verfluchen den Cabernet Sauvignon, Importeure loben ihn in der Hoffnung auf saftige Gewinne in den Himmel und Weinliebhaber erfreut, dass es sich um eine Sorte handelt, deren Wein sie immer erkennen - genauso wie die einfachsten Gerichte der Hausmannskost. Es heißt, dass es für Cabernet Sauvignon ein eigentlich einfaches Rezept gäbe – es handelt sich um eine Mischung von schwarzen Johannisbeeren, Zedernholz, Bleistiftmine und dem Duft von Zigarrenkisten. Und gerade weil sich Cabernet Sauvignon so leicht unterscheiden lässt, hat diese Sorte in großem Maße zu einer Rückbesinnung auf Sortenweine überhaupt verholfen. Und zur Suche nach einer eindeutigen Identität anderer traditioneller Sorten, deren richtige Formung nicht in allen Gegenden immer so leicht fällt, wie es bei Cabernet Sauvignon der Fall ist, dessen Weine sich überall gut verkaufen. Wer Wein nach England oder in die USA exportieren möchte, dem eröffnet Cabernet Sauvignon den Weg auf den Markt, auch wenn er aus einem unbekannten Anbaugebiet kommt. Für den Kenner können verschiedene lokale Sorten sehr interessant sein. In jedem Fall steht fest, dass der Cabernet Sauvignon derzeit eine Sicherheit darstellt, auch wenn er nur ein Anteil in einem Verschnitt wäre.

Cabernet Sauvignon wächst üppig, seine Triebe sind aufrecht. Die Blätter sind mittelgroß, tief ausgeschnitten. Die Traube ist mittelgroß, frei, hat eine lange konische Form, mit kleinen, blauschwarzen Beeren, die eine feste Schale und eine gute Resistenz gegen Grauschimmel besitzen. Das Holz reift sehr gut, die Frostresistenz ist ebenfalls sehr gut. Mittlere Resistenz gegen Pilzkrankheiten. Die Trauben reifen sehr spät, daher kann die Sorte nur in besten, sehr warmen Lagen und in Wärme speichernden Böden, am besten Schotterböden, gepflanzt werden.

Die Weine dieser Sorte reifen sehr langsam. Sie werden nach anderthalb bis zwei Jahren in Flaschen gefüllt und lassen sich nach 4-5 Jahren konsumieren. Ihr Optimum erreichen sie nach 5-10 Jahren und später.

Bei unreifen Jahrgängen und bei Überlastung der Weinstöcke entstehen im Wein grüne Töne, ein Duft nach grüner Paprika, Rauheit. Der Geschmack aus reifen Trauben erinnert stets an schwarze Johannisbeeren und je nach Lage, Boden, Lese und Technologie kommt ein Duft nach dunklen Kirschen, Brombeeren, Tabak und Eukalyptus hinzu, oder bei sehr konzentrierten Weinen aus Übersee auch ein Duft nach Marmelade. In den meisten Gebieten, wo überwiegend Cabernet Sauvignon angebaut wird, ist der Ausbau des Weins mit der Verwendung von Barriquefässern verbunden, die den Weinen weitere Duft- und Geschmacksrichtungen verleihen, insbesondere wenn die Fässer ausgebrannt wurden. Die vollmundigen, aromatischen Weine sind perfekte Begleiter zu Fleischgerichten, vor allem Rehbraten, Beefsteak, Putenfleisch oder Speisen mit würzigen Soßen.

Grundeigenschaften des Qualitätsweines

Granatfarben, manchmal mit einem blauen Stich. Zum typischen Duft nach schwarzen Johannisbeeren gesellen sich je nach Reifegrad der Trauben und des Weines ein Duft nach Kirschen, Brombeeren, Tabak, Zedernholz oder Marmelade hinzu. Der Wein ist mächtig, mit einem sehr lange anhaltenden Eindruck, bei hoher Flaschenreife samtig-weich. Junge Weine zeichnen sich meist durch aggressive Gerbstoffe aus.

Übersetzung © Nikol Richter 2004




V. Kraus a kol.