Kerner

(0,14% der Rebfläche)
(bisher nur Versuchspflanzungen)
Eintrag ins Staatliche Sortenbuch 2001


Diese Sorte ist eine Züchtung aus dem Jahr 1929 von A. Herold von der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt im württembergischen Weinsberg durch die Kreuzung der Sorten Trollinger x Rheinriesling. Seit 1969 ist Kerner in allen deutschen Weinbaugebieten klassifiziert und urheberrechtlich geschützt. Die Sorte ist nach A. Kerner benannt, einem Arzt und Dichter aus Weinsberg, der seinen Patienten als bestes natürliches Heilmittel ein Glas Wein empfahl.

Heute wird Kerner in Deutschland auf ca. 6500 ha angebaut und befindet sich somit nach den Sorten Rheinriesling, Müller Thurgau, Spätburgunder und Grüner Silvaner auf dem 5. Platz. Die größten Flächen nimmt er in der Pfalz, Rheinhessen, Württemberg und an der Mosel ein.

Das Blatt ist mittlerer Größe, dunkelgrün mit einer rauhen Oberfläche. Die geschulterte Traube ist mittlerer Größe und Dichte. Die Beere rund, gelbgrün, mit bräunlicher Sonnenseite. Feste Schale, saftig-gehaltvoller Geschmack, süß, mit einem Riesling-Muskatduft, sehr angenehm. Das Rebholz reift früh und sehr gut. Auf Kalkböden leidet Kerner nicht an Vergilbung. Sehr gute Frostresistenz, gute Resistenz gegen Falschen Mehltau, niedrige Resistenz gegen Mehltau und Grauschimmel. Es kommt zur Bildung langer Geiztriebe, die man in der unteren Hälfte der Triebe ausbrechen muss, damit die Rebstöcke nicht zu dicht werden. Regelmäßige Fruchtbarkeit, sehr guter Zuckergehalt der Moste. Bei entsprechendem Anbau der Rebstöcke können alljährlich Prädikatsweine erzielt werden.

Der Wein ist grüngelb bis strohgelb, hat erfrischende Aromastoffe, die an den konzentrierteren Duft von Rheinriesling erinnern, eventuell auch mit Muskattönen. Sein Körper ist voll, bei reduktivem Ausbau erzielt man einen erfrischenden bis schneidigen Typ eines vollmundigen, eleganten und für den üblichen Konsumenten anziehenden Weines. Der Vorzug dieser Sorte ist, dass sie selbst bei schlechteren Jahrgängen Weine guter Qualität liefert. Für allzu trockene Bedingungen ist er ungeeignet. Seine Weine sind dort in der Regel breit und werden wie beim oxidativen Ausbau bitter. Von allen Neuzüchtungen ähneln die Weine der Sorte Kerner am meisten dem Rheinriesling, und so wie bei ihm lassen sich Auslesen und Beerenauslesen hoher Qualität erzielen.

Der Wein passt hervorragend zu verschiedenen Vorspeisen sowie zu Meeresfrüchten, zu gegrilltem Kalbfleisch, zu Fisch und Geräuchertem, zu Spargel und vielen Käsesorten, vor allem zu Streichkäse. Junge Weine sollten in Kelchen für jungen Wein bei einer Temperatur von 7-8 °C gereicht werden, reife Weine bei 9-10 °C. Nur sehr ausgereifte Prädikatsweine bei 10-11 °C. Technologisch richtig gehandhabte Weine sind ähnlich wie die Weine des Rheinrieslings eine Zierde für jede Festtafel.

Grundeigenschaften des Qualitätsweines

Grün- bis strohgelbe Farbe, intensiver Rieslingduft mit einer deutlich höheren Würzigkeit und Tönen dunklen Honigs. Der Wein ist sehr vollmundig, mit einem mächtigen Anstieg und einer langen Persistenz, bisweilen mit einem etwas bitteren Finale.

Übersetzung © Nikol Richter 2004




V. Kraus a kol.