Mineralischer Gehalt der Weine
Auf den geologischen Formationen kam es infolge komplexer Verwitterungseinflüsse und dem Wirken der Pflanzendecke sowie der menschlichen Tätigkeit zu bodenbildenden Prozessen. Einfluss auf die Versorgung der Böden mit Mineralstoffen hat sowohl die Gesteinsunterlage, da die Rebe in großen Tiefen wurzelt, als auch die Versorgung des Rebstocks, die je nach Bedarf agrotechnisch gesteuert wird.
Mineralstoffe sind ein Bestandteil von Asche, ihr Gehalt im Wein schwankt je nach Niederschlagsmenge. An trockenen Standorten und in Sommern mit geringem Niederschlag ist der Gehalt niedriger. Er kann durch Gaben von Mineraldünger und eine entsprechende Verarbeitungsweise der Trauben angehoben werden. Bei Rotweinen wird eine größere Mineralstoffmenge aus den festen Bestandteilen der Trauben durch Angären gelöst. Der Mineralstoffgehalt schwankt zwischen 1,8–2,8 g/l. Von den Anionen sind Sulfate und Phospate am stärksten vertreten, außerdem Anionen von Chlor, Borsäure und Silizium.
Sulfate in kleinen Mengen entnimmt die Rebe als Reste von Stickstoff-, Kali- oder Magnesiumdüngern dem Boden. Die größte Menge gelangt jedoch über das Schwefeln von Mosten und Weinen, insbesondere von Weißweinen, in den Wein. Sulfate tragen im Organismus zum Abbau organischer Giftstoffe bei, wirken der Ablagerung von Kalk und Cholesterin an den Arterienwänden entgegen und verlangsamen den Alterungsprozess der Gewebe. Im Wein treten sie in Mengen von 400–1000 mg/l auf.
Phosphate sind Bestandteil der Muttergesteine und nehmen im Laufe der bodenbildenden Prozesse eine annehmbare Form an. Kleinere Mengen stammen auch aus Phospatdünger. Früheren Erfahrungen und Ansichten nach, die wahrscheinlich auch aufgrund des früher angewandten oxidativeren Ausbaus der Weine entstanden sind, haben Weine mit einem höheren Gehalt des PO4-Anions auch eine höhere Qualität. Dies offenbarte sich vor allem im vollem Geschmack des Weines zu Tage. Dank der heutigen reduktiven Technologien lassen sich die flüchtigen Aromastoffe besser auffangen, auf die nun größerer Wert gelegt wird. Phosphate gelangen nicht nur als anorganische Verbindungen in den Most, denn ein Zehntel des Phosphats befindet sich auch in organischen Verbindungen (Glycerophosphat, Phosphatester, Bindungen an Pektinstoffe). Ein großer Teil der Phosphatverbindungen wird von den Weinhefen im Laufe der Fermentation genutzt. Nachdem sie abgestorben sind, lösen sich die Phosphatverbindungen im Wein wieder auf, wenn das Hefesediment nicht zu früh entfernt wird. In den tschechischen Anbaugebieten sind phospatreiche Böden vor allem um Znojmo, Bzenec, in Velké Žernoseky und Umgebung zu finden. Der Phospatgehalt in den Weinen beträgt zwischen 60 und 1000 mg/l.
Chlor – Chloranionen treten in kleineren Mengen (20–400 mg/l) im Wein auf, insbesondere in Weinen aus salzigen Böden. Die Verbindungen Natriumchlorid und Magnesiumchlorid gefährden die Versorgung der Rebe. Daher sollte ihre Konzentration in der Bodenlösung einen Wert von 0,05 % nicht überschreiten. So gut wie harmlos ist Kaliumchlorid. Bei Düngungen mit Kalisalz gelangt nach dessen Zersetzung auch Chlor in den Boden. Da er im Boden sehr beweglich ist, wird er bei Niederschlägen leicht ausgeschwemmt. Deshalb gelangt nur wenig davon in den Wein.
Bor ist ein sehr wichtiges Mikroelement für die Versorgung der Rebe. In schweren, kalkhaltigen Böden und terrassenförmigen Böden nach Geländeplanierungen kommt Bor nur in begrenzten Mengen vor. Der Borsäuregehalt in Weinen beträgt 10–120 mg/l, das meiste Bor jedoch wird in Verbindungen des Weinsteins ausgefällt und verlässt den Wein auf diese Weise. Bor hat eine große Bedeutung bei der Photosynthese und beim Transport der Glycide. Bor ist aktiv an der Bestäubung und der Befruchtung des Blütenstands beteiligt.
Kieselsäure tritt im Wein in einer Größenordnung von 30–70 mg/l auf. Sie verfestigt die Oberflächengewebe der Rebenorgane und gelangt aus den Beerenschalen in den Wein, wo sie eine biologisch aktive, assimilierbare Form annimmt. Ein genügend hoher Siliziumgehalt in den Gefäßwänden schützt vor Arteriosklerose. Weine mit einem erhöhten Siliziumgehalt wirken sedativ, so z. B. Roséweine aus dem französischen, an Spanien grenzenden Anbaugebiet Irouléguy. Einen höheren Siliziumgehalt findet man in Böden, die durch den Zerfall von Feldspat bei Verwitterung von Kaolin im warmen Klima des Neogen entstanden sind.
Wein enthält eine größere Zahl verschiedener Kationen, deren Menge sehr schwankt.
Kalium spielt eine sehr wichtige Rolle in den Lebensphasen der Weinrebe. Seine Bedeutung liegt vor allem in seiner Ionform und der großen Beweglichkeit. Seine Funktionen sind genau spezifiziert, die Rebe nimmt ihn vor allem in den Phasen starken Wuchses und des Beerenansatzes auf. Kalium nimmt unter den übrigen Kationen im Wein eine dominante Stellung ein. Der Kaliumgehalt im Wein beträgt zwischen 160–2500 mg/l. Werte zwischen 600 und 1000 mg/l gelten als normal, alles was darüber hinausgeht als hoch. Kalium wird durch das Enzym Amylase, das im Speichel enthalten ist, und den Saft in der Bauchspeicheldrüse aktiviert. Es ist an der Funktion der Nervenzellen beteiligt und trägt zu einer regelmäßigen Tätigkeit des Herzmuskels bei. Kalium gilt als ein Element, das das Fortschreiten von Sklerose verlangsamt. Im Most ist er vor allem als Kaliumtartrat und auch als Kalisulfat enthalten. In größeren Mengen ist er in Rotweinen und einigen trockenen Weißweinen zu finden, vor allem der Sorten Pinot blanc, Chardonnay und in Weinen der georgischen Sorten Tsolikouri, Rkatsiteli und Mcvane. Kalium verfeinert den Geschmack des Weines. Weine mit geringem Kaliumgehalt schmecken sauer und bitter.
Kalzium gewinnt die Rebe aus dem Boden. Die Böden der meisten tschechischen Anbaugebiete weisen reichlich Kalzium auf. Bei übermäßigen Mengen im Boden kann die Rebe von Vergilbung leiden. Der Kalziumgehalt im Wein ist relativ konstant, er beläuft sich auf 100–200 mg/l. Kalzium benötigt der Organismus zum Aufbau des Knochengewebes. Außerdem hat es eine sedative Wirkung aufs Nervensystem. Schließlich verbessert es auch die Blutgerinnung. Den höchsten Kalziumgehalt können Weine vom Höhenzug Pavlovské vrchy, aus Strážnice, Blatnice (Südmähren) und Mělník (Nordböhmen) vorweisen.
Die wichtigste Rolle spielt Magnesium als einer der Bestandteile von Chlorophyll. Magnesiummangel herrscht in Böden mit einem hohen Kalkgehalt oder auf trockenen Sandböden. Sein Gehalt im Wein beträgt konstante 50 – 200 g/l. Nur einige französische Weine haben einen höheren Magnesiumgehalt. Unter den tschechischen Weinen zeichnen sich vor allem Weine aus dem südmährischen Gebiet Velké Pavlovice durch einen höheren Magnesiumgehalt aus, insbesondere die Rotweine. Magnesium ist hauptsächlich im Hirngewebe enthalten und spielt eine wichtige Rolle für das biologische Gleichgewicht. Es verbessert die Kalziumaufnahme in den Knochen und wirkt sich positiv auf die Gefäßerweiterung aus. Magnesiummangel hingegen führt zu Arteriosklerose und Arrythmie. Es erhöht die Gallensekretion.
Eisen ist im Wein in einer Größenordnung von 4–10 g/l enthalten. Alles was über diese Werte hinausgeht, wird durch Weinklärung entfernt, um Trübungen zu vermeiden. Einige in Barrique ausgebauten Rotweine (Burgund, Bordeaux) enthalten mehr Eisen. Solche Weine werden bei Anämie oder zur Rekonvaleszenz getrunken. In Tschechien weisen einige Lößböden (Brünn, Znojmo und Litoměřice), vor allem aber der Basalt des Böhmischen Mittelgebirges höhere Eisenwerte auf.
Quelle: Réva a víno v Čechách a na Moravě
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