Geologische Verhältnisse
Eine kurze Beschreibung der geologischen Verhältnisse nach einer Studie des Geologen M. Suk (1995):
Der geologische Untergrund ist in den tschechischen Weinbaugebieten sehr vielfältig. Die Weinberge waren und sind oft noch vor allem an den wärmsten Orten mit einer niedrigen Meereshöhe im Einzugsgebiet der Flüsse Labe, Vltava, Ohře und Berounka konzentriert. Im Bereich Prag wird der Untergrund aus dem Silurkalkstein und teilweise aus dem Devon des Prager Beckens gebildet sowie aus lehmhaltigem Schiefer aus dem Ordovizium mit vulkanischem Anteil. Eine untergeordnete Rolle spielen hier Kreidesedimente. Der Kalkstein aus dem Silur ist meist sehr sauber mit einem Silikatanteil bis zu 10%, auch die Dolomiten übersteigen diese Prozentzahl nicht. Von den Spurenelementen enthält dieser Kalkstein mehr Baryum, Strontium und Mangan. Nördlich von Prag sind die Randsedimente des Kreidebeckens als Schieferton abgelagert. Das paläozoische Gestein im südlichen Teil hat einen erhöhten Boranteil. Das Proteozoikum um die Prager Stadtteile Troja und Roztoky hat einen ausreichend hohen Gehalt an Nährstoffen und Spurenelementen, aus denen vor allem Bor austritt.
Im Bereich Mělník und Roudnice setzt sich der Untergrund von Sedimenten aus dem Mittel- und Oberturon zusammen. Es handelt sich um Sandstein, Mergel und Löß. Außerdem kommen die im Quartär angewehten Sand und Schottersandterrassen der Elbe vor. Der Löß besitzt einen höheren Kalkgehalt, weist aber einen Mangel an Phospor auf.
Im Bereich Litoměřice bilden turonischer Mergel und Sandstein mit einem Mergelanteil und mit lokalen Ergussgesteinen (Vulkanite), vor allem alkalische Basaltoide. Im Bereich Žernoseky sind auch Phylite und Metavulkanite zu finden. Die Kreidesedimente sind reich an Kalk und Bor, arm hingegen an Zink.
Die Gesteinsscholle im Bereich Most setzt sich vor allem aus verschieden Vulkanitarten, tertiären Sedimenten des Moster Beckens und Löß zusammen. Nordwestlich von Most findet man Phonolithe mit einem erhöhten Kalianteil und einem Mangel an Kalzium, Magnesium und Phosphor. Östlich und südlich von Most dominieren Tephrit, Basanit und Nephelin mit ausreichend hohen Nährstoffmengen.
Im Bereich Louny und Slané setzt sich der Untergrund aus turonischem Mergel und Sandstein und einem Mergelanteil zusammen, nördlich von Louny auch aus tertiärem Lehm. Meist tritt genügend Kalzium und Bor auf, aber wenig Phospor und Zink.
Im Bereich Chrudim wurden die Weinberge in turonischen Mergel und Sandstein des böhmischen Kreidebeckens ausgepflanzt Im Bereich Kutná Hora und Čáslav ist metamorphosierter kristalliner Schiefer bzw. Amphibolite von Kristallinikum oder Sandstein und Tonschiefer des böhmischen Kreidebeckens zu finden.
Die mährischen Weinbaugebiete bilden die Scheide zwischen dem Böhmischen Massiv und den Westlichen Karpaten. Der westliche Teil zwischen Znojmo und Brünn liegt am Rand des Böhmischen Massivs, die Gesteinsunterlage setzt sich vor allem aus Granitoiden des Brünner Plutons und in geringerem Maße aus kristallinem Schiefer seines Mantels zusammen. Das Gestein ist hier meist stark verwittert und kaolinisiert. Ebenfalls typisch für dieses Gebiet ist mächtiger Löß. Der zentrale Teil südlich von Brünn bis zur Staatsgrenze besteht aus tertiären Meeressedimenten (überwiegend Sandstein) des Karpatischen Gesenkes und des Wiener Beckens. Zwischen den beiden tertiären Becken treten gefaltete jurassische und paläogene, oft kalk- und mergelhaltige Sedimente der Decke von Ždánice auf, die zum Flyschgürtel der äußeren Karpaten gehört. Von den Deckenformationen spielen die Löß und Schottersandterrassen der Flüsse Dyje, Svratka, Jevišovka und Morava eine bedeutende Rolle.
Zu Znojmo hin greift vom Westen aus das Kristallinikum des Böhmischen Massivs mit kristallinem Schiefer seines Mantels ein. Granitoide des Dyjemassivs sind stark kaolinisiert. Nach den Angaben von M. Adamová über den Gehalt der Elemente in der Gesteinsunterlage, die auch in einer weiteren Charakteristik auf unseren Internetseiten aufgeführt sind, haben Granitoide des Bereichs Znojmo einen geringen Gehalt an Kalzium und Phospor, fallweise auch an Magnesium. Im hellen Granit ist wenig Zink, der miozäne Lehm und Schotter enthält wenig Kalzium, Magnesium, Phosphor und Zink.
Im Bereich Mikulov treten von jurassischem Kalkstein gebildete tektonische Klippen, wie zum Beispiel der Höhenzug Pálava mit seinen Schichten aus Sandkalkstein und dunklem Mergel. Die Klippen sind von Sedimenten aus der Kreidezeit umgeben, zu denen Lehm und meist kalkhaltiger Tonschiefer gehören. Am westlichen Rand ist tertiärer Sand verbreitet und Lehm des karpatischen Gesenkes mit einem Mangel an Phosphor und einem höheren Borgehalt. Der Löß östlich von Mikulov enthält weniger Phosphor, dafür reichlich Bor, auch die übrigen Nährstoffe sind meist in ausreichendem Maße vorhanden. Das Gestein der Klippen zeichnet sich durch einen Kalziumüberschuss und einen Mangel an Kalium, manchmal auch an Phosphor bzw. Magnesium aus.
Der Bereich Brünn ist geologisch ähnlich aufgebaut wie der Bereich Znojmo. Südlich von Dolní Kounice tauchen die Granitoide des Brünner Massivs unter die Sedimente der Karpatischen Senke. Die Granitoide sind arm an Magnesium, Phospor und Kalzium. In den Metabasiten herrscht ein Mangel an Kalium, Phosphor und Bor. Im Löß mangelt es an Phosphor, im miozänen Kalklehm dagegen ist reichlich Kalzium vertreten.
Das Gebiet Velké Pavlovice liegt an der östlichen Grenze der Decke von Unterschlesien und Ždánice und des Wiener Beckens. Die Dislokation durchläuft zwischen Terezín, Vrbice und Rakvice. Westlich davon befindet sich die Schichtengruppe von Ždánice und Hustopeče. Hier wechseln sich Kalklehm, Mergel, polymiktischer Sandstein und Konglomerat ab. Typisch für die Kalksedimente ist, dass alle Elemente zur Genüge vorhanden sind. Im Bereich Klobouky spielt Löß eine vorrangige Rolle, wenig Phosphor, dafür mehr Bor.
Der Bereich Mutěnice liegt auf dem Dislokationsteil des Wiener Beckens. Im Nordwesten gibt es Kalklehm, Lehm und Sand, vereinzelt Schotter des Pannonicum s. Bis auf Phosphor und Zink sind genügend Nährstoffe enthalten. Im Bereich Čejkovice gibt es Lehm mit Kohleanteil, im Südosten jüngerer, vielfältiger Lehm.
Zwischen Bzenec und Mutěnice gibt es vielfältigen Lehm mit Schichten aus Schotter und pontischem Sand, um Moravský Písek jüngsten Schotter und pliozäner, levantinischer Sand aus dem Oberpliozän.
Podluží liegt im zentralen Teil des miozänen karpatischen Wiener Beckens, wo zwischen Břeclav und Hodonín vielfältiger Lehm und Sand mit Schotter aus dem Pont vorwiegen. Im Bereich Lednice sind auch ältere Sedimente zu finden. Infolge der Bewegungen auf dem komplexen Dislokationssystem treten hier Gesteine unterschiedlichen Alters nebeneinander auf. Im Bereich Hodonín dominiert aus dem Quartär angewehter Sand. Die miozänen Sedimente sind arm an Phosphor und Kalzium, haben aber dafür reichlich Bor. Der angewehte Sand hat wenig Kalzium, Magnesium, Phosphor und Zink.
Der Bereich Strážnice erstreckt sich im Vorland der Weißen Karpaten, die Sohle der Weinbaufluren stammt aus dem Eozän oder der Oberkreide. Die meisten Böden sind schwer, speichern Wasser und enthalten Lehm autochthonen Ursprungs.
Quelle: Réva a víno v Čechách a na Moravě
© V. Kraus a kol.
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